Safari in Kenya 02/2020

Reisebericht 
Reto hat seit Jahren ne Jahreskarte fürs MSE
Die Schweiz und ich verharren im Lockdown, das gibt mir Zeit, hier endlich mal wieder einen Reisebericht zu verfassen. Diesmal aber ohne Disney. Also eigentlich fast ohne, denn knapp vor dem Beginn dieser weltweiten Katastrophe konnte ich mir einen Traum erfüllen und endlich mal dorthin reisen, wo Simba leben würde, wenn es ihn denn in real geben würde: In die Nationalparks von Kenya. Hauptziel war natürlich, zum ersten Mal in meinem Leben wilde Löwen zu sehen, nachdem ich bereits 2x in Südafrika, dort aber lediglich in einem Drive-Through Safaripark aufgehalten habe.

Die eigentliche Idee zu dieser spezifischen Reise hatte allerdings nicht ich, sondern ein guter Furry-Kollege aus Seattle - uns verbindet nicht nur dieses Hobby, sondern eben auch die Liebe zu Disney, Lion King und damit verbunden natürlich der Wunsch, die uns in TLK dargebotene Szenerie mal möglichst in echt zu erleben.

Gebucht haben wir uns dann dieses Angebot hier über die Tourradar-Website: 6 Days Masai Mara - Nakuru - Amboseli by Bigmac Africa Safaris - TourRadar
6 Tage Safari durch die Masai Mara, den Lake Nakuru und den Amboseli-Nationalpark, geführt ab/bis Nairobi zum Preis knapp über €1000, Unterkünfte, Transport und Mahlzeiten inbegriffen.

Oben drauf kamen natürlich noch die Flüge. Während mein netter Kollege Tim aus Seattle ein Angebot mit Lufthansa für nur gut $600 nachgeworfen bekam (Routing: Seattle-Frankfurt-Nairobi und Nairobi-Addis Abeba-Frankfurt-Seattle) habe ich auch zuerst überlegt, ab Zürich via Frankfurt zu reisen, so dass wir auf demselben Flug in NBO einschweben könnten. Schlussendlich habe ich mich dann aber doch für den Flug von Swiss entschieden, der vor Corona 6x wöchentlich im Muster Zürich-Nairobi-Dar es Salaam-Zürich operierte. Hinflug also nonstop, retour dann mit kurzem Transitstop in DAR.

Der Flug war erstaunlicherweise günstiger, als der Umweg via FRA, aber CHF 750 musste ich dann doch noch hinblättern, dies noch knapp vor den Schweizer Schulferien im Februar. Während Kollege Tim also mehr als doppelt so weit zu fliegen hatte, hat er doch deutlich weniger bezahlt. Macht aber nichts, denn angesichts meiner Behinderung, die mich auf Sondennahrung angewiesen sein lässt und der Fakt, dass ich zum ersten Mal in ein Drittweltland gereist bin, wollte ich das Risiko eines Gepäckverlustes möglichst minimieren.

Etwas fehlte noch: Das Hotel für die erste Nacht in Nairobi. Da die Flüge aus Europa fast alle abends reinkommen, starten die Safaris in aller Regel am Vormittag. Wir haben uns via Booking.com das Four Points by Sheraton NBO Airport reserviert. Mit 200+ CHF pro Nacht fürs Doppelzimmer so ziemlich die teuerste Unterkunft in der kenianischen Hauptstadt. Wir hatten aber nicht gross Lust, uns spätabends in ein halbwegs seriöses Taxi hineinargumentieren zu müssen, welches uns durch den katastrophalen Verkehr Richtung Downtown schaukelt, zumal ja die Safari bereits am nächsten Morgen um 6 Uhr starten sollte.

Los gings am Morgen des 7. Februar 2020, wie immer für mich am Flughafen Zürich. Der A330-300 HB-JHN stand am Terminal E nach einer durchgefrorenen Nacht bereit, um mich als Flug LX 294 nach NBO zu fliegen. Da ich etwas zu früh dran war, habe ich mir ein bisschen frische Luft auf der für Passagiere zugänglichen Terrasse auf dem Terminaldach gegönnt, mit Sicht auf mein Flugzeug.

SWISS Airbus A330-300 HB-JHN LX 294 Zurich-Nairobi by R. Kurmann, on Flickr

Ein solch reichhaltiges Interkontinental-Angebot wird mir jetzt wohl auf längere Zeit hinaus verwehrt bleiben.

Zurich Airport by R. Kurmann, on Flickr

Der Flug nach NBO und DAR war unbestritten die exotischste Destination im Swiss-Streckennetz. Schweizer waren die Minderheit an Bord, da der Flug schön strategisch in die 10 Uhr-Welle positioniert war, kamen die meisten Passagiere von den 8 Uhr-Ankünften aus den USA, gefühlt hauptsächlich Amerikaner mit afrikanischen Vorfahren auf Familienbesuch.

LX 294 konnte an diesem Tag volles Haus vermelden, wir waren auch pünktlich bereit, nur dem Entertainment-System bekam die eiskalte Nacht auf dem Vorfeld offenbar nicht gut. Technische Probleme liessen die Bildschirme schwarz bleiben. Wir wurden während der Wartezeit aber gut informiert, dass die Maintenance nun dran sei, das Problem zu erörtern. Nach 40 Minuten erfolglosen Neustart-Versuchen sprach dann der Captain ein Machtwort und hat entschieden, ohne das IFE abzufliegen, da ein Flugzeugwechsel bedeutet hätte, dass es an diesem Tag nichts mehr geworden wäre mit dem Flug nach NBO. Das Flugzeug muss ja nach dem Kehr in DAR innerhalb einer bestimmten Frist wieder in ZRH sein, damit der gesamte Umlauf mit nur einer Maschine geflogen werden kann.

Also gings dann irgendwann nach 10:30 Uhr doch noch los, mit schwarzen Bildschirmen, einer Safety Demo von Hand und einem Schuss 80 Grad heisses Glykol auf die Tragflächen. Mein 100. Flug startet mit meiner ersten Enteisung. Interessant zu beobachten: Der Truck wird ausschliesslich von der kleinen Kabine am Sprüharm gesteuert, im Führerhaus sitzt niemand! Das dürfte ein sehr gutes räumliches Vorstellungsvermögen bedingen, um da ja nirgends gegenzufahren.

SWISS Airbus A330-300 HB-JHN LX 294 Zurich-Nairobi by R. Kurmann, on Flickr

Zusammen mit den Langstrecken nach JFK und MIA reihen wir uns ein für den Start und sind dann kurze Zeit später in der Luft und lassen die Schweizer Komfortzone und den Flughafen Zürich hinter uns.

SWISS Airbus A330-300 HB-JHN LX 294 Zurich-Nairobi by R. Kurmann, on Flickr

Auf dem Weg zum verspäteten Start wurde durchgesagt, dass man das IFE während dem Flug versuchen werde, neu zu starten, was sich dann aber bis zum Schluss als erfolglos herausstellen sollte.

Nun gut, das beste IFE sind eh die vorbeiziehenden Landschaften und in der Regel nutze ich eh die nur die Airshow, um den Flugweg zu verfolgen. Es ging zuerst gerade Richtung Osten über die Ostschweiz, St. Gallen, Bregenz, über die Vorarlberger und Tiroler Aplen, dort wurde dann Kurs Richtung Südosten eingeschlagen, über Maribor in Slowenien, hinein nach Kroatien, dann entlang der Adriaküste vorbei an Montenegro, entlang an Albanien mit guter Sicht auf die Hauptstadt Tirana und weiter durch die Ägais. Kreta wurde über einer geschlossenen Wolkendecke überflogen, erst mit Erreichen der ägyptischen Küste wurde die Sicht wieder klar. Verkehr hat es in dieser Gegend wenig, aber über dem Sudan kreuzen wir in Sekundenschnelle eine AUA-Boeing 777-200 auf dem Weg von Mauritius nach Wien, auf fast gleicher Höhe vor meinem Fenster, leider etwas zu schnell, um mit der Kamera zu reagieren.

Tiroler Alpen:

SWISS Airbus A330-300 HB-JHN LX 294 Zurich-Nairobi by R. Kurmann, on Flickr

Tirana, Albanien:

SWISS Airbus A330-300 HB-JHN LX 294 Zurich-Nairobi by R. Kurmann, on Flickr

Lake Nasser an der ägyptisch-sudanesischen Grenze:

SWISS Airbus A330-300 HB-JHN LX 294 Zurich-Nairobi by R. Kurmann, on Flickr

Economy Class bei Swiss im A330-300:

SWISS Airbus A330-300 HB-JHN LX 294 Zurich-Nairobi by R. Kurmann, on Flickr

Danach wurde noch ein kurzes Stück Äthiopien überflogen, bereits in der Dunkelheit. Da das IFE sich wie gesagt nicht wieder starten liess, hielt man das vor dem Start abgegebene Versprechen ein und verteilte nach dem letzten Meal Service Gutscheine für sämtliche Passagiere. Für jeden Gast in der Economy gabs 50 CHF, in der Business 200 CHF und in der First 300 CHF. Die Gutscheine können innerhalb eines Jahres für einen Einkauf im Swiss Shop oder einen zukünftigen Flug mit Swiss angerechnet werden. Ich werde dies aber angesichts der dramatischen Situation aber aus Solidarität zu meiner nationalen Airline unterlassen, man kann froh sein, dass die hoffentlich überleben wird und auch in Zukunft ein, wenn auch vermutlich deutlich kleineres Langstreckennetz aus der kleinen Schweiz heraus anbieten wird. So Spässe wie direkt nach Ostafrika fliegen dürften aber sicher mal auf längere Zeit gestorben sein.

Nairobi wurde überflogen, über dem Nairobi Nationalpark wurde für den Endanflug auf Piste 6 links eingedreht, bevor die Parkbremse unseres A330-300 nach 7 Std. und 55 Minuten mit 40-minütiger Verspätung kurz vor 20:30 Uhr an Gate 10 des Jomo Kenyatta Intl. Airports gesetzt wurde. Willkommen in einer anderen Welt! Fluggastbrücke war dort offenbar "mal wieder" (O-Ton Crew) kaputt, deshalb wurde die gesamte Economy gebeten, ganz hinten via Tür 4L auszusteigen. Achtung: Boarding Pass auf diesem Flug nicht wegwerfen, die FAs kontrollieren an der Tür, wer nur bis Nairobi gebucht ist. Wer bis Dar es Salaam fliegt, bleibt während der Bodenzeit in Nairobi an Bord.

Türe auf, Treppe runter, entlang des Flugzeuges nach vorne marschiert, dort wartete ein moderner, deutscher Cobus, der hinüber zu Halle 1E fuhr, wo man rausgelassen wurde. Erste Amtshandlung: Fieber messen, das war wohl nicht nur wegen Corona, denn Afrika hat schon Übung mit solchen Sachen seit Ebola. Das wurde aus der Distanz von einer bemundschutzten Person mit einem Infrarot-Thermeter auf die Stirn gerichtet erledigt.

Bitte an kenianischen Flughäfen äusserst diskret fotografieren oder filmen, der Ground Staff ums Flugzeug herum war sichtlich angespannt, wenn man auch nur schon eine Kamera oder Handy sichtbar in der Hand hatte. Ein Schnappschuss ist mir aus dem Bus heraus gelungen.

SWISS Airbus A330-300 HB-JHN LX 294 Zurich-Nairobi by R. Kurmann, on Flickr

Weiter in eine karge Halle mit Baumarkt-Charme für die Immigration, die geht in Kenya momentan so:

Irgendwann spät im Flug hat Swiss zwei Formulare ausgeteilt. Beide(!) sind zwingend auszufüllen, auch wenn vorgängig das Visum für Kenya elektronisch beantragt wurde! Wir sind in Afrika.

SWISS Airbus A330-300 HB-JHN LX 294 Zurich-Nairobi by R. Kurmann, on Flickr

Auch ich habe mein Einreisevisum elektronisch beantragt und es empfiehlt sich, dies mehrere Wochen vor Abflug zu tun. Es dauerte bei mir 12 Werktage, bis ich die Confirmation hatte. Nachschauen muss man selber in dem Online-System, es kommen keine Mails, wenn sich der Status verändert.

Das E-Visa könnt ihr via die offizielle Website der kenianischen Behörden beantragen: https://accounts.ecitizen.go.ke/register

Wichtig: Es kommt immer mal wieder vor, dass es die kenianischen Behörden selbst bis zum Abflugdatum nicht schaffen, das Visum zu bewilligen. So erging's offenbar vielen, wenn man Tripadvisor durchforstet und auch mein Kollege Tim hatte bis zum Abflug keine Bestätigung. Bitte keine Panik, ihr könnt dennoch fliegen. Wichtig ist aber, dass ihr die Payment Confirmation, die das System generiert, ausgedruckt auf Papier dabei habt! Das ist dann vor dem sich in die Schlange stellen vorzuweisen, man weist euch dann ein oder nimmt euch kurz ins Büro, um die Daten zu verifizieren, bevor man euch in eine der beiden Schlangen zuteilt. Es wird aufgeteilt zwischen Visa bereits beantragt und Visa On Arrival. Letzteres ist sowohl in Nairobi, als auch Mombasa noch immer möglich (Stand Februar 2020), zu beachten ist hierfür aber, dass die Gebühr (€50, $50) passend bezahlt werden muss! Lokalwährung oder Kreditkarten nehmen sie nicht, denn so holt man sich Devisen ins Land.

Klappte alles ganz gut und auch die Wartezeiten lagen mit 15 Minuten im erträglichen Bereich. Wir waren der einzige Flug zu diesem Zeitpunkt und ich war sogar recht weit hinten, als der Bus die Leute in die Halle ausgeleert hat. Ich wurde zu meiner Safari befragt, was aber keine Hexerei war und schon war der Stempel im Pass. Die beiden im Flug ausgefüllten Formulare wurden studiert, abgestempelt und dann einbehalten. Auf dem Gepäckband drehte mein Koffer auch schon die Runden. In der kargen Halle findet man noch paar kleine Booths für Money Exchange oder Simkarten, ansonsten NICHTS! Beim Zollausgang musste der Koffer nochmals durchleuchtet werden, ansonsten durfte ich aber ohne Kontrolle oder Fragen durch. Schon steht man draussen auf einer Art Vorplatz, ein Café befindet sich daneben und wie in solchen Ländern üblich, ist auch die Taximafia recht aktiv und vor allem als First-Timer in einem solchen Land ist es relativ schwer zu sagen, wer da wirklich seriös ist und wer nicht.

Seriös sind auf jeden Fall die Leute mit den Hotelschildern in der Hand. Die spricht man einfach an. Per Handy zitieren die dann jemand mit einem Auto vorbei, da innerhalb des Flughafenareals grosse Fahrzeuge wie Vans nicht gerne gesehen sind wegen der Terrorgefahr.

Ich hatte etwas Zeit und war gar nicht so unglücklich, dass ich nun fast eine Stunde Verspätung zum Zeitplan hatte, denn das bedeutete weniger Wartezeit, bis die Lufthansa aus Frankfurt mit Tim an Bord landen würde, die mit einigem Abstand hinter der Swiss hergeflogen ist und um 21:30 landete, was ich auf dem Flugradar gespannt verfolgt habe. Somit ist das auch schön verteilt, wenn Lufthansa kommt, sind die Swiss-Passagiere im Regelfall bereits komplett durch die Immigration. Dennoch brauchte Tim aber ewig länger als ich. Es gab offenbar ein Problem mit der Gepäckausgabe. Sein Koffer kam, aber erst nach 50 Minuten und mehreren Pausen.

Der Transfer ins Sheraton klappte, vorgebucht haben wir den aber nicht, sondern eben einfach den Typen mit dem entsprechenden Schild in der Hand angesprochen. Nach 5 Minuten Fahrt waren wir dort. Wie üblich in Nairobi steht vor jedem Hoteleingang ein Metalldetektor und das Gepäck wird ebenfalls durchleuchtet. Es ist schon nach 23 Uhr, somit gut 3 Std. seit meiner Landung, als wir unser Doppelzimmer mit dem wohl breitesten Doppelbett ever erreichen und ins Bett fallen. Auszusetzen gibts hier nichts, es ist eines der wenigen westlichen, modernen Hotels, wenn man mal von Kenya's Küste absieht. Sauber, Klimaanlage funktionierte auch, das Bad ebenfalls OK. Eine letzte Nacht im Komfort, bevor es dann definitiv aus der Komfortzone geht.

Four Points by Sheraton Nairobi Airport by R. Kurmann, on Flickr

Four Points by Sheraton Nairobi Airport by R. Kurmann, on Flickr

Für Aviatikfreaks habe ich noch meinen üblichen, sehr ausführlichen Flugtripreport:

 
torstendlp Unser DVC-Waschbär mit Bart
Teammitglied
Ich komme gerade nicht dazu, den zu lesen, zu sehr im Streß und zu wenig Zeit, das hole ich aber nach.

Ich wollte aber zumindest sagen, dass ich es schön finde, dass Du direkt mit so einem ausführlichen Thread hier wieder aktiver wirst @Reto

Was ich mich aber direkt am Anfang gefragt habe, weil Du von der Schweiz im Lockdown schreibst, wie ist das denn bei Euch aktuell? Ist das Kantonssache?
Denn die Hotelanlage im Kanton Bern, an der wir eine Beteiligung haben, darf aktuell geöffnet bleiben, auch ihre Restaurants. Nur der Spa-Bereich und die Bars mussten geschlossen werden.
Ich war selbst überrascht, weil ich mir sicher gewesen wäre, dass die auch schon längst hätten schließen müssen.
 
Reto hat seit Jahren ne Jahreskarte fürs MSE
Ich komme gerade nicht dazu, den zu lesen, zu sehr im Streß und zu wenig Zeit, das hole ich aber nach.

Ich wollte aber zumindest sagen, dass ich es schön finde, dass Du direkt mit so einem ausführlichen Thread hier wieder aktiver wirst @Reto
Offenbar wurde ich vermisst, aber ich war eigentlich nie wirklich weg, hab aber fast nur noch mitgelesen, als gepostet. Nun hab ich wieder etwas mehr Zeit an der Hand.



Was ich mich aber direkt am Anfang gefragt habe, weil Du von der Schweiz im Lockdown schreibst, wie ist das denn bei Euch aktuell? Ist das Kantonssache?

Denn die Hotelanlage im Kanton Bern, an der wir eine Beteiligung haben, darf aktuell geöffnet bleiben, auch ihre Restaurants. Nur der Spa-Bereich und die Bars mussten geschlossen werden.
Ich war selbst überrascht, weil ich mir sicher gewesen wäre, dass die auch schon längst hätten schließen müssen.
Anfänglich haben die Kantone tatsächlich ihr Ding durchgezogen, was zu einem Wildwuchs an Regelungen geführt hat. Der Lead hat inzwischen der Bundesrat, der das Land unter Notrecht (wer hätte gedacht, dass meine Generation mal sowas HIER erlebt!) regiert.

Hotels dürfen im ganzen Land unter Auflagen geöffnet haben, denn einige dienen der Beherbergung von Pflegepersonal (speziell dort, wo viele Grenzgänger arbeiten) und können im Notfall auch dazu verwendet werden, Patienten mit geringerem Pflegeaufwand zu beherbergen, damit Spitalkapazitäten frei bleiben. Was Du schilderst, deckt sich nun mit dem, was der Bundesrates zu Beginn des Lockdowns kommuniziert hat.

Aus: Hotels dürfen laut Bundesrat geöffnet bleiben - htr.ch

Bundesrat Alain Berset sagte an der Medienmitteilung: «Die Hotels sind notwendig, damit die normalen Arbeitsprozesse weitergehen können. Deswegen haben wir uns entschieden, sie offen zu lassen. Aber ohne, dass die Restaurants zugänglich sind für externe Gäste. Die Restaurants in Hotels sollten nur für Hotelgäste offen bleiben.» Weitere Angebote innerhalb des Hotels, wie Fitness-, Spa-, Massageangebote oder Coiffeur sind nicht mehr zugelassen.
Lockdown bei uns heisst momentan: Keine Ansammlungen von mehr als 5 Personen, mindestens 2 Meter Abstand zueinander. Lebensmittelläden, Apotheken, Banken, Post, Tankstellen, Behörden und wie gesagt Hotels dürfen offen haben. Hinaus gehen darf man aber noch, auch zum Sonne geniessen, halt einfach nur nicht in Gruppen. Der öffentliche Verkehr wurde reduziert, hier in Luzern beispielsweise fahren die Busse nach Samstagsfahrplan. So hab ich lustigerweise immer noch alle 7 Minuten einen Doppelgelenkbus vor der Tür, in dem aber so gut wie niemand mehr sitzt. Vielerorts wurde der Takt einfach halbiert, also von 15 auf 30 oder von 30 auf 60 Minuten, einige Züge fahren nicht mehr, hingegen werden aber überall die ersten und letzten Verbindungen des Tages unverändert beibehalten, damit das insbesondere das Pflegepersonal und andere Schichtarbeiter diese weiterhin nutzen können.

Mir persönlich gehts gut. Ich hatte eh nur noch eine sehr kleine Teilzeitstelle im geschützten Bereich wegen meiner Behinderung. Die hatte ich eh geplant, in den nächsten Jahren aufzugeben, da uns die Automatisierung schwer getroffen hat in den letzten Jahren. Die Behindertenwerkstätten haben praktisch alle mal zugemacht bis mindestens 26. April, der Lohn von dort (eher: Sackgeld) kommt aber weiterhin. Schlimm ist das natürlich für meine Arbeitskollegen, die sich nicht einfach so selber beschäftigen können durch den Tag hindurch. Ich für meinen Teil bin OK, wirtschaftlich werde ich sogar profitieren, da ich vermutlich sämtliche Ferienreisen und somit Investitionen in meine Hobbies für dieses Jahr knicken kann. Seit dem 13. März bin ich nun zu Hause und habe meinen Wohnort nicht mehr verlassen, das weiteste war in die Apotheke direkt nebenan, um meine Sondennahrung zu beziehen. Zum Glück habe ich einen grossen Balkon und wie gesagt, meine Hobbies geben zusammen mit dem Haushalt immer was zu tun.
 
Reto hat seit Jahren ne Jahreskarte fürs MSE
Ob das tatsächlich klappen würde am nächsten Morgen mit der versprochenen Abholung im Hotel? Nach einer kurzen Nacht standen wir um kurz vor 6 Uhr wieder in der Lobby, haben ausgecheckt und tatsächlich - mit pünktlichen 15 Minuten Verspätung stand ein "Johnny", unser Fahrer von Big Mac Safaris im Hotel! Wir nehmen einen weissen Toyota HiAce mit 4WD zur Kenntnis und werden später noch froh sein um dieses Ausstattungsmerkmal. Drinnen 3 Reihen zu je 3 recht unbequemen Ledersitzen. Klimaanlage gabs auch, aber die Kenianer mögen das nicht. Da es aber nur so um 22-25 Grad herum war, ging das, selbst für mich. Also halt einfach Fenster aufgemacht und tief Abgase eingeatmet. Diesbezügliche Standards gibt's in Kenya bis heute keine, die Luft in Nairobi ist dementsprechend. Nun gut, rein ins Auto.

IMG_1733 by R. Kurmann, on Flickr

Zuerst geht's rein nach Downtown Nairobi. Der Wagen will am Hauptsitz des Safarianbieters noch kurz mit Mineralwasser beladen werden. Es stellte sich heraus, dass wir nur zu dritt plus Fahrer sein werden auf dieser Tour, was sehr angenehm ist. Im Best Western gabeln wir noch eine sympathische, ältere amerikanische Touristin aus Pennsylvania auf. Somit hat jeder seine eigene Sitzreihe und ausreichend Platz, um die ersten Eindrücke aufzusaugen. Uns präsentieren sich Eindrücke, die beim ersten Mal schon ziemlich einfahren. Dagegen sieht Johannesburg in weiten Teile wie ein x-beliebiger europäischer oder amerikanischer Vorort aus. In Kenia sind wir optisch so richtig in Afrika.

Spontaner Schnappschuss aus dem Fenster entlang der Ngong Road, der westlichen Ausfallsachse aus Nairobi heraus, die gerade im Ausbau war.

Nairobi by R. Kurmann, on Flickr

Nur in Downtown Nairobi gibts eine Art Linienbussystem nach halbwegs europäischem Vorbild, wenn auch ohne Niederflur und Aircondition.

Nairobi by R. Kurmann, on Flickr

Ansonsten findet praktisch der gesamte öffentliche Verkehr mit sogenannten Matatus statt, das sind Sammeltaxis, meist auf Basis von Toyota und Nissan-Vans, die immerhin nun doch durch mehr und mehr neuere Fahrzeuge ersetzt wurden, aber natürlich nachwievor heillos überladen werden, obwohl an den Seiten oftmals drohend "Max. 15 Passengers" angeschrieben ist. Sitzen gerne auch mal 20 drin. In einem Fahrzeug, was bei uns für höchstens 9+2 zugelassen wäre. In wenigen Jahren sehen dann auch die komplett heruntergefahren aus und werden benutzt, bis sie auseinanderfallen und darüber hinaus. Wie man als Fahrgast diese genau benutzt, konnte uns selbst die amerikanische Touristin an Bord, die mehrere Monate in Kenia und Uganda verbracht hat, nicht genau sagen. Man frage sich einfach durch, irgendwie klappe es immer. Es gibt weder Fahr- noch Linienpläne, angeschrieben ist auch an den Fahrzeugen nicht wirklich etwas. Für uns Europäer also wohl für immer ein Buch mit sieben Siegeln, wird doch vor dessen Benutzung eindringlich abgeraten.

Nairobi by R. Kurmann, on Flickr

Nun gut, das soll uns jetzt nicht weiter kümmern, denn unser erstes Tagesziel lautete Masai Mara, also hatten wir noch eine ziemliche Strecke vor uns. Die Stadt wollte also schnellstmöglich verlassen werden.

Schon bald hat uns die Natur in unseren Bann gezogen. Auf halbem Weg zwischen Nairobi und Narok liegt der Viewpoint ins Great Rift Valley, also des grossen afrikanischen Grabenbruchs, einer geologisch sehr aktiven Zone, die sich durch den ganzen Kontinent hindurch zieht, auf einer Länge von über 9000 km vom roten Meer bis nach Mozambique zieht. Die Strasse schlängelt sich entlang der Felsen und wird von vielen ebenfalls hilflos überladenen, langsamen LKWs befahren, somit bleibt auch immer schön Zeit, die Szenerie zu geniessen, bis man eben plötzlich an dem Viewpoint steht.

Die EXIF-Daten aus meinem iPhone sagen mir, dass ich hier auf eine Seehöhe von 2130 Metern stand, also gleich hoch, wie der Pilatus, der hier über Luzern thront:

Great Escarpment - Rift Valley - Kenya by R. Kurmann, on Flickr

So gut wie alle Safarianbieter stoppen hier, natürlich wird auch diese Gelegenheit von der dortigen Lokalbevölkerung benutzt, um Geld zu verdienen mit irgendwelchen Souvenirs. Wer kann es ihnen verübeln.

Great Escarpment - Rift Valley - Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Unsere Geldbeutel lassen wir aber noch geschlossen. Kenianische Schilling hatte ich mir aber schon in der Schweiz via die SBB besorgt und mir diese innert 2 Werktagen nach Hause schicken lassen derweil Kollege Tim darüber nur staunen kann. Das Bankensystem in den USA ist mit solch einem Serviceniveau, geschweige denn exotischen Währungen überfordert.

Weiter in die nächst grössere Provinzstadt Narok. Dort gibts Mittagspause denn das Auto hat Durst und die Reifen wollen nochmals gecheckt werden, bevor wir dann die asphaltierten Strassen verlassen müssen und so richtig in den Busch hinaus fahren. Auf anraten des Fahrers haben meine Mitinsassen aber auf eine dortige Verpflegung verzichtet. Nicht, weil es die Verhältnisse nicht zugelassen hätten, sondern weil uns noch eine sehr holprige, zweistündige Fahrt bevorstand bis zur nächsten Unterkunft.

Überhaupt scheint gefühlt die eine Hälfte von Kenianern an Tankstellen zu arbeiten. Ausser die gefühlt andere Hälfte, die von der Agrarwirtschaft lebt. Tankstellen sind dann oftmals auch die einzigen modernen, sauberen Bauten, die man sieht.

IMG_1739 by R. Kurmann, on Flickr

Schnappschuss aus Narok. Achtung: Bürgersteige entsprechen nicht so ganz unserem Sicherheitsniveau.

IMG_1743 by R. Kurmann, on Flickr

Ansonsten bewegt sich die Architektur auf faszinierendem, zweckmässigem Naja-Niveau. Das Werbebudget von Telekommunikationsanbietern mit ihrem Mobile Payment-System Mpesa muss gigantisch sein, denn so gut wie jedes Gebäude ist damit markiert. Mpesa basiert auf Überweisungen per SMS und ist auch unter den allerärmsten weit verbreitet, da es auch ohne Besitz eines Bankkontos genutzt werden kann. Überhaupt scheint Kenia da auf sehr gutem Weg. Netzabdeckung praktisch durchgehend 4G, auch ausserhalb besiedelter Gebiete, mobiles Internet klappt sogar besser, als in Südafrika um JNB herum! Smartphones dominieren inzwischen auch dort, auch wenn Tastenhandies natürlich auch immer noch im Einsatz sind, da robust und geringer Strombedarf.

IMG_1746 by R. Kurmann, on Flickr

Um die im obigen Bild nebenan einquartierte "Medical Clinic" sind sie aber nun definitiv nicht zu beneiden. Man kann nur noch beten, dass der afrikanische Kontinent Corona irgendwie halbwegs übersteht. Ich weiss nicht, was man dort grossartig ausrichten könnte. Social Distancing kannst vergessen, sauberes Leitungswasser zum Hände waschen gibts kaum irgendwo, Intensivstationen nur in Nairobi.

Dass übrigens UNSERE alten Toyotas und was weiss ich dort unten landen, stimmt übrigens nicht, denn Kenia hat ja Linksverkehr. Die Autos dürften also aus UK-, Japan- und Australienimporten stammen, wobei man natürlich schon auch viel modernes sieht, auch deutsche Fabrikate.

IMG_1742 by R. Kurmann, on Flickr

Irgendetwas mit Markt und Motorrad - vielleicht ein Motorradmarkt, wer weiss. Für viele die einzige Möglichkeit, zumindest etwas zu verdienen.

IMG_1747 by R. Kurmann, on Flickr

Und was machen eigentlich unsere geliebten Lion King-Stars, nachdem sie ihre Hollywood-Karriere beendet haben? Sie kehren wieder dorthin zurück, wo sie hergekommen sind und eröffnen ein Business!

Rafiki Business Centre - Narok, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Wir erreichen noch am Nachmittag unsere erste Unterkunft. Das gebuchte Angebot ist als Budget-Safari einzuordnen und so sieht denn das Rhino Tourist Camp auch aus, von den 3 Unterkünften dieses Urlaubs ist das die einfachste. Hier bleiben wir 2 Nächte. Generatorstrom war von morgens von ca. 5-8 Uhr verfügbar, abends von 19-22 Uhr, plusminus. Sonst nicht. WLAN Fehlanzeige.

Rhino Tourist Camp - Masai Mara, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Dusche gibt mehr Rost, als Wasser her, kaum zu gebrauchen für eine richtige Dusche. Tröpfelt nur ein bisschen, aber in Afrika muss man mit dem klar kommen, was man vorfindet. Das Wasser stinkt bestialisch nach abgestanden, Chlor kann man sich nicht leisten. Erst nach 3, 4 Minuten kommt halbwegs warm, zum Glück dusche ich eh meistens kalt, vor allem, wenn draussen eh warm ist.

Rhino Tourist Camp - Masai Mara, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Rhino Tourist Camp - Masai Mara, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Rhino Tourist Camp - Masai Mara, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Die Zimmer sind in einem Zelt, gemauert ist lediglich das direkt dahinter anschliessende, eigene Bad. Die Betten sind OK. Die Moskitonetze notwendig, aber nutzlos, da kleine Löcher drin. Installiert haben wir sie dennoch. Schon am ersten Abend bemerkt Tim "There's at least 4 mosquitos in our bathroom!" und ich spraye derweil alles mit Anti-Brumm forte ein, ein aus der Schweiz mitgebrachtes Mückenmittel. Es empfiehlt sich, nicht nur den Körper, sondern auch die Moskitonetze damit zu behandeln. Lange Kleidung ist auch tagsüber ratsam. Immerhin: Ich kann bereits vorwegnehmen, dass wir beide während dem ganzen Aufenthalt keinen einzigen Mückenstich festgestellt haben, es hat sich also gelohnt!

Malaria-Prohylaxe haben wir beide ebenfalls eingenommen. Ich habe das Original Malarone verschrieben bekommen vom Arzt. Die Tabletten konnte ich gut vermörsern und somit in meine Magensonde geben. Tim hat ein Generikum mitgebracht, aber eigentlich das genau gleiche, nur einfach zum dreifachen Preis(!) bei genau gleicher Dosierung (1 Tablette täglich, beginnend 2 Tage vor Abreise, während der ganzen Reise und eine Woche darüber hinaus). "The U.S. healthcare system is broken" merkte er dazu an.

Mittagessen wurde erst dort eingenommen, eben wie gesagt aus sehr gutem Grund, denn die Fahrt von Narok in die Nähe der Masai Mara ging die letzten 2 Std. über extremst holprige "Strassen", teils langsamer als im Schrittempo, durch Bachbetten hindurch und durch viel Staub.

Folgendes Video habe ich mit zufälligen Strassenszenen aus dem Land versehen, nicht in einer chronologischen Reihenfolge. Fürs erste beachte man aber die Szene beginnend bei 13:59. LKW blockiert aus irgendeinem Grund Brücke. Will aus irgendeinem Grund nicht kurz aus dem Weg fahren. Wir nehmen deshalb aus irgendeinem Grund die Umleitung DURCH den Bach. So holprig ging das immer mal wieder zu.


Und ja, wer genau zugehört hat, hat mitbekommen, dass unser treuer Toyota tatsächlich 2x heftig aufgeschlagen hat im Wasser. Fahrer steigt aus, wirft Fussmatte unter das Auto, kriecht darunter und entscheidet dann, dass nichts passiert ist. Die Fahrzeuge sind widerstandsfähiger, als sie aussehen und mit Johnny haben wir wirklich einen sehr guten, netten Fahrer erwischt.
 
Reto hat seit Jahren ne Jahreskarte fürs MSE
So, erste Etappe im Gegensatz zu dem LKW-Fahrer im Videothumbnail unfallfrei überstanden. Auto und Mitfahrer sind verpflegt. Nach etwas ausruhen auf den Betten und einer Dusche steht noch am selben Tag unsere allererste Safari an! Johnny öffnet erstmals das Dach unseres Toyotas und holpert dem Oloolaimutia Gate der Masai Mara entgegen, die weniger als einen Kilometer von unserem Camp entfernt ist. Was da übrigens wie irgendwelche bizarr-bedrohlichen Paramilitärs aussieht, sind natürlich nur die Park Ranger.

Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Die Entrance Fees waren in unserem Safari Package ebenfalls inkludiert, brauchten wir also nicht vor Ort zu zahlen. Dennoch musste immer angehalten werden und der Fahrer verschwand dann jeweils für 10 Minuten ins Büro, um die Formalitäten zu erledigen. Derweil wird man von der lokalen Masai-Bevölkerung umringt, die natürlich natürlich auch wieder ihr Geschäft machen wollen. Einige Sachen sind schon local, aber halt auch vieles Made in China. Ich habe mich dann zu einem Holzlöwen hinreissen lassen. Ich weiss lieber nicht mehr, wie viel ich dafür bezahlt habe. Feilschen ist aber zwingend notwendig und Usus hier.

Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Es ging stets ein hörbares Aufatmen durchs Auto, wenn immer unser Fahrer sich wieder auf dem Weg zu uns machte und es endlich weitergehen konnte. Würden wir bereits heute Abend unsere erste Löwensichtung machen können?

WIr legen die ersten Meter in der Mara zurück und sind schon nach kurzer Zeit nicht mehr alleine.

Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Wildlife sehen wir bereits einiges, aber der Andrang anderer Touristen hält sich zu dieser Jahreszeit glücklicherweise noch in Grenzen. Soweit ich das überblicken konnte, darf man in der Mara nicht selber fahren, der gesamte Verkehr findet in Vans mit Fahrern statt, uns sind keine Autos begegnet. Ist auch nicht zu empfehlen, denn die Strassenverhältnisse verlangen gute Fahr- und Orientierungskenntnisse.

Elefanten und Zebras sieht man in dem 1510 km2 grossen Ökosystem, welches an der kenianisch-tansanischen Grenze in die Serengeti übergeht, mit Abstand am meisten letztere sogar bereits auf der Anfahrt zur Mara ausserhalb der eigentlichen Parkgrenzen.

Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Und Pumbaa liess sich ebenfalls schüchtern blicken!

Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Diese Gazelle präsentierte uns mehr, als wir eigentlich sehen wollten:

Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Wir sind zufrieden mit den ersten paar Minuten, Tim (links) und ich (rechts) verbringen die ganze Fahrt stehend und dauernd auf der Suche nach noch mehr. Auch von den Temperaturen ist es auszuhalten, die ganz grosse Hitze bleibt uns auf 1800 Metern Höhe erspart.

Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Simba durfte auch mitkommen und fühlt sich sogleich wie zu Hause!

Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Plötzlich Aufregung am Funk, mit dem sämtliche Fahrer untereinander, sowie auch mit den Rangern verbunden sind. Es wurde ein (echter!) Löwe gesichtet. So halbwegs. Er versteckt sich aber in einem Gebüsch und somit ist das alles, was wir an unserem ersten Tag von einem Löwen zu sehen bekommen - ein bisschen Fell im Gestrüpp.

Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Wie man sieht, sieht man nicht viel, dennoch versuchen alle, etwas zu sehen. Offroad fahren ist zwar genau genommen verboten, es existieren in der Mara aber viele kleine Pfade zu beliebten Verstecken der Tiere, was dann wohl gerade noch so als Road gilt.

Die Situation präsentiert sich dann oft so:

Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Wie es diese Herrschaften herausgeschafft haben, sieht man wieder in meinem Roadside Video, diesmal ab Position 18:55. Natürlich misslangen einige Versuche, inkl. Seilriss.


Langsam merken wir, dass wir mit Johnny und seinem Toyota HiAce mit 4x4 den Joker gezogen haben, denn es wird klar, dass die Qualität der Safari-Anbieter extrem variiert. Und auch die der Autos. Man muss es leider sagen, aber es ist unfassbar, wie viele sich erlauben, ohne 4x4 in die Mara zu fahren. Natürlich war die Regenzeit der letzten Saison aussergewöhnlich lange, das Gras somit hoch und das Terrain durchsumpft, aber dennoch, das müssten die doch besser wissen?! Während wir einen talentierten Fahrer haben, der kein Risiko eingeht und unser Auto nicht ein einziges Mal ins durchdrehen kommt, spulen sich andere am Laufmeter immer tiefer fest. Alleine am ersten Abend sehen wir ganze 10 Vans, die zum Teil Stunden an Ort und Stelle ausharren mussten, bis sie entweder von anderen Drivern oder den Rangern aus dem Dreck gezogen werden konnten. Viele versuchen es einfach auf gut Glück mit Vollgas und dem entsprechendem Lärm und Schäden. Wir gingen alles ruhig und mit Bedacht an und sind so überall hingekommen, wo wir hinwollten, wirklich ohne die geringsten Probleme.

Den Hippos sagen wir noch Gute Nacht, bevor wir den Rückweg ins Camp antreten, denn nach Einbruch der Dunkelheit sollte man möglichst nicht mehr unterwegs sein.

Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Da wir zu der oben im Video gesehenen Rettungsaktion gerufen wurden, wurde es doch etwas später, was uns noch diese Gepardensichtung in der Dunkelheit beschert:

Cheetah - Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr
 
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Am nächsten Tag erwartet uns endlich ein voller Safari Day in der Masai Mara.

Der Generator unserer Lodge springt schon um 5 Uhr an, damit wir für die Abfahrt um 6:30 Uhr bereit sind, sobald die Dämmerung genug fortgeschritten ist, dass es sicher ist, sich fortzubewegen.

Uns bieten sich gerade so früh am Morgen traumhafte Ansichten und wir fühlen uns immer mehr so, als wären wir in den echten Pridelands bekannt aus TLK unterwegs.

Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Mit dem Büffel können wir nach dem Elefanten Nr. 2 auf der Liste der Big Five abhaken. Bislang können wir uns wirklich nicht beklagen!

Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Apropos Pridelands: Den Königsfelsen haben wir knapp verpasst. Der Felsen, der als Vorlage für den Film gedient hat, liegt im Hell's Gate National Park, das wäre halbwegs in der Nähe vom Great Rift Valley gewesen, aber dieser Umweg lag bei nur 6 Tagen nicht drin. Aber gut, wir sind immerhin in der Masai Mara, dem Vernehmen nach besten Ort weltweit, wenn man Löwen sehen möchte.

Und nach gut 3 Std. an dem Morgen wendet Johnny plötzlich hektisch sein Fahrzeug und brettert mit mehr als den erlaubten 40 km/h durch die Savanne. Das Wort "Simba" (Suaheli für Löwe) haben auch wir am Funk gerade noch so verstanden! Aber zuerst heisst es mal wieder warten, mit einem üppigen Verkehrsaufkommen vor dem mutmasslichen Versteck.

Mufasa ist schon mal da, aber nicht den Mufasa, den wir sehen wollen...

Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Man wartet und redet und bringt die Fahrzeuge in Position, hier immerhin AUF der Strasse. Einige verlieren nach 5 Minuten die Geduld. Wir haben im Gespür, dass es sich lohnt, zu warten.

Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Und dann endlich zeigt er sich! Nach etwa einer Viertelstunde raschelt es und ich sehe meinen allerersten wilden Löwen! Johnny war schlau und hat strategisch gut zuvorderst geparkt.

Male Lion - Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Male Lion - Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Ihm folgt kurz dahinter ein Weibchen:

Lioness - Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Lioness - Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Ob das seine Partnerin war, daran haben wir gewisse Zweifel, sie machte sich jedenfalls alleine auf den Weg hinaus in das unendliche Grasland. Zu dieser Zeit wie gesagt sehr üppig bewachsen, da lange Regenzeit herrschte.

Lioness - Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Einmal noch dreht sie sich um und geht dann ihres Weges.

Lioness - Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Kein Rudel also, aber unsere Erwartungen und unser grosser Traum hat sich in diesem Moment erfüllt!

Etwas weiter stossen wir dann gar nochmals auf eine separierte Löwin unter einem Gebüsch. Auch dort waren die Verhältnisse sehr schwierig, mehr als ein Auto blieb über längere Zeit stecken. Gemeinsam haben wir aber als Johnny's weitere paar Augen uns da hin navigiert, während dem wir uns geachtet haben, keineswegs die Fehler der anderen Fahrzeuge zu wiederholen. Also immer schön denselben Weg rückwärts zurück, anstatt vorwärts, wo andere steckenblieben. Wir werden mit dieser Strategie belohnt, unsere ruhige, bedächtige Fahrweise bringt uns auf anderthalb Meter an diese Löwin heran - wir waren wirklich extremst nahe und konnten sie sitzend aus dem Seitenfenster beobachten:

Lioness - Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Löwe ist als dritter der Big Five im Kasten. Unter weniger schönen Umständen erfolgte die Sichtung von Nr. 4, dem - wie sich herausstellen sollte - einzigen Leoparden während dem ganzen Urlaub. Die sind ja wirklich sehr selten und zudem auch schüchtern und absolut unberechenbar. War in Südafrika das einzige Tier, mit dem wir nicht arbeiten konnten, da zu eigener Kopf, zuwenig Körpersprache, um ihn lesen zu können.

Dieses Exemplar versteckte sich fast unsichtbar in einem Gebüsch und gewisse Fahrer hatten nichts besseres zu tun, als ständig dagegen zu fahren, in der Hoffnung, das Tier würde dann herausspringen. Das tat es dann auch genervt nach einigen Minuten - und wäre dabei fast jemandem vors Auto gesprungen, der natürlich auch kein 4WD hatte und eher unkontrolliert im Sumpf herumdriftete unter Vollgas. Unser Johnny hat sich nicht zu solchen Spielchen hinreissen lassen, wir haben es ihm auch klar wissen lassen, dass wir ein solches Verhalten nicht wünschen, auch wenn es bedeutet, dass wir ein Tier weniger sehen.

Dennoch stand er goldrichtig und wir konnten genau ein Foto machen durchs hohe Gras, bevor sich die Raubkatze aus dem Staub machte. Dass jeder für sich eine ganze Sitzreihe hatte und somit blitzschnell die Seite wechseln konnte, ohne einander im Weg zu stehen, zahlte sich erneut aus.

Leopard - Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Vorbei an einer weiteren Elefantenherde...

Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

...wird die Landschaft Richtung Südwesten immer flacher, bis sie in die Serengeti übergeht:

Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Der Fluss markiert die Grenze zu Tansania, die wir nicht überschreiten, da nicht Teil unseres Programms und auch kein passierbarer Grenzübergang in unmittelbarer Nähe. Die gesamte Tierwelt kann allerdings hin und her wandern zwischen den beiden Ökosystemen.

Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Die Rettungsaktionen von steckengebliebenen Fahrzeugen haben an unserem Auto Spuren hinterlassen:

Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Mittagspause verbringen wir am Flussufer neben dem Auto im Schatten, es ist nahe an 30 Grad. Gegessen wird ein von unserem Camp zur Verfügung gestelltes Lunchpaket, welches unser Fahrer in aller Herrgottsfrühe bereits ins Auto geladen hat. Auch andere machen das so, füttern aber leider nicht nur sich selbst:

Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Die nächsten Stunden verbringen wir wieder im Auto. "Mara" heisst in der Ortssprache so viel wie "befleckt, gepunktet" und dieser Anblick bietet sich uns wahrlich:

Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Pumbaa macht uns schon wieder die Aufwartung:

Pumbaa - Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Zebras in Stereo:

Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Die Bilder glichen sich dann für den Rest des Tages, bevor wir um 17 Uhr wieder unser Camp erreicht haben. Die Strassen sind äusserst holprig und man wird also sehr kräftig durchgeschüttelt.

Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Rhino Tourist Camp - Masai Mara National Reserve, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

4 von den Big Five gesehen und das bereits nach 2 Tagen, unsere heiss geliebten Löwen ebenfalls in mehrfacher Anzahl. Damit können wir zufrieden sein und schliessen den Aufenthalt in der Masai Mara ab. Morgen geht es weiter Richtung Lake Nakuru.
 
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Tag 3 wurde mehrheitlich mit der langen Fahrt von der Mara Richtung Lake Nakuru verbracht, doch bevor wir dazu aufgebrochen sind, stand noch ein Besuch des nahegelegenen Massai-Dorfes auf dem Programm. Der war freiwillig und kostete $20 pro Person, cash dem Fahrer zahlbar. Tim wollte das unbedingt machen, ich hatte hingegen schon so ein bisschen eine gewisse Skepsis Vorahnung, dass es in Richtung Tourist Trap gehen würde, aber es war dann doch nicht alles schlecht und den einen oder anderen authentischen Einblick haben wir dann durchaus bekommen.

Wir wurden zuerst mit Tänzen und ihren traditionellen Gewändern, den Shukas, empfangen:

Masai Mara Masaai Village Visit by R. Kurmann, on Flickr

Die Massai sind bis heute einer der ältesten Stämme der Menschheit und leben als Nomaden. Grenzen kennen sie nicht, also bewegen sie sich auch frei zwischen den Ländern hin und her und verlegen ihren Wohnsitz alle paar Jahre. Die Lehmhütten werden dabei immer wieder neu aufgebaut und nach Gebrauch niedergebrannt.

Apropos Feuer - zentraler Punkt eines jeden Besuchs in einem solchen Dorf ist die Demonstration, wie die Massai ein Feuer entzünden, dies mit ausschliesslich in der Natur vorzufindenden Werkzeugen. Es braucht getrockneten Elefanten- oder Zebradung, einige Holzstöckchen und viel Reibungsenergie. Dauert aber nur 5 Minuten und den Prozess habe ich euch per Video festgehalten. Feuerzeug oder Zündhölzer lehnen sie strikt ab, ihre Methode sei einfacher.


Es ist die Aufgabe der Frauen, die Bomas zu errichten, so nennt man die Hütten, in denen sie wohnen. Würde mal sagen etwa 5 x 5 Meter Grundfläche, etwa 170 cm hoch und die Hütte in die wir blicken durften, war mit 8 Personen bewohnt. Es gibt weder fliessend Wasser noch Toiletten noch Elektrizität, wobei dieses Dorf immerhin mit gespendeten Solarlampen ausgerüstet war.

Masai Mara Masaai Village Visit by R. Kurmann, on Flickr

Masai Mara Masaai Village Visit by R. Kurmann, on Flickr

Besuch in einer der Hütten war in Zweiergruppen möglich und Fotos waren auch erlaubt, haben wir aber nur sehr zurückhaltend gemacht.

Masai Mara Masaai Village Visit by R. Kurmann, on Flickr

Masai Mara Masaai Village Visit by R. Kurmann, on Flickr

Der grösste Besitz der Massai sind ihr Vieh, mit dem sie sich selbst versorgen können:

Masai Mara Masaai Village Visit by R. Kurmann, on Flickr

"Markt" war dann natürlich "rein zufällig" auch noch, aber die Erfahrung war recht angenehm, ein Nein wurde immer ohne weiteres Nachfragen respektiert.

Masai Mara Masaai Village Visit by R. Kurmann, on Flickr

Etwas mit Löwe kann nie verkehrt sein. Auch hier: Die Sachen mindestens auf einen Drittel des dargebotenen Preises herunterhandeln, dann passt es einigermassen.

Masai Mara Masaai Village Visit by R. Kurmann, on Flickr

Gibt nochmals einen Tanz zum Abschied:

Masai Mara Masai Village Visit by R. Kurmann, on Flickr

Dem Hund wurde es langsam zu heiss...

Masai Mara Masai Village Visit by R. Kurmann, on Flickr

...und wir machen uns nach 2 Std. auch wieder auf den Weg und setzen uns ins Auto. Bevor die nächsten 300 km unter die Räder genommen werden können, erweisen uns die freundlichen Jungs von Baraki Petroleum die Ehre.

Kenyan Gas Station by R. Kurmann, on Flickr

Baraki Petroleum ist euer Partner für alle Kraftstoffbedürfnisse in der Masai Mara. Wir beachten den modischen, gewissenhaften Auftritt unter Einhaltung der Sicherheitsvorschriften:) Ja, ich weiss, ist dort natürlich alles normal, wenn man's aber zum ersten Mal so sieht, durchaus ein lustiger Anblick. Das Küchensieb hätte Frau Baraki dann nach Benutzung gerne wieder zurück.

Kenyan Gas Station by R. Kurmann, on Flickr

Eher wenig verwunderlich, dass die Lebenserwartung in Kenya nur 66 Jahre beträgt. Auch wir wurden durch das Einatmen der Dämpfe bestimmt nicht jünger, aber um eine Erfahrung reicher.

Wir holpern wieder 2 Std. zurück bis auf die nächste asphaltierte Strasse und passieren dabei die im Video gesehene unpassierbare Brücke:

DSC01850 by R. Kurmann, on Flickr

Mittagspause wird irgendwo nahe Narok abgehalten, es bieten sich wieder Einkaufsgelegenheiten:

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Wie gesagt, etwas mit Löwe ist in meiner Sammlung immer willkommen. Diese Kunstdrucke wurden zu je US$ 250 angeboten. Wir haben die Dinger auf $60 das Stück heruntergehandelt, mit einigem schauspielerischem Talent. Vermutlich war auch das noch zu viel. Bezahlen kann man vielerorts theoretisch mit Kreditkarte, die Terminals schaffen es aber nicht immer, eine Verbindung zum Internet aufzubauen. Kenianische Schilling empfehlen sich also für solche Situationen.

IMG_1898 by R. Kurmann, on Flickr

Das Preisniveau vor Ort hier mal anhand einer Speisekarte eines einer Tankstelle angegliederten Restaurants. 100 Ksh = 0.86 Euro oder 0.91 CHF.

DSC01858 by R. Kurmann, on Flickr

Um 9 Uhr war Abfahrt in der Masai Mara, um 17 Uhr erreichen wir nach langer Fahrt die zweite Unterkunft, das Lanet Matfam Resort in Nakuru. Hier bleiben wir nur eine Nacht. Definitiv mehr luxuriös als das Rhino Tourist Camp, mit richtigen Gebäuden. Sogar einen Pool hätte es gehabt, der aber kurz nach unserer Ankunft schon geschlossen wurde für den Abend. Aber das Zimmer war definitiv OK und auch recht sauber. Duschen konnte man hier etwas besser, wenn auch nicht mit besserem Wasser. Eigenartig waren nur die Fenster vom Bad, ja sogar von der Dusche Richtung Bett - auf ziemlich unpassender Höhe.

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Das WLAN war eher holprig, deshalb fielen wir müde von der langen Fahrerei auch recht schnell ins Bett, der Besuch des Lake Nakuru Nationalparks war sowieso erst für den nächsten Morgen geplant.
 
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Mit 188 km2 ist der Lake Nakuru Nationalpark sehr klein verglichen mit der Mara oder dem Amboseli, aber nicht minder interessant. Er schmiegt sich um den je nach Jahreszeit bis zu 45 km2 grossen See mit demselben Namen, ein Natronsee der über keine Zu- oder Ausflüsse verfügt. Die durchschnittliche Tiefe beträgt nur gerade 30 cm. Bekannt ist der Park vor allem wegen seiner über 400 Vogelarten, die hier heimisch sind, aber auch sonst findet man trotz der kleinen Grösse eine breite Palette an afrikanischem Wildlife.

Eine Gruppe Paviane sind frühmorgens um 7 Uhr die ersten, die uns direkt am Strassenrand begegnen:

Lake Nakuru National Park, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Wir fahren weiter bergab auf die Höhe des Seeufers und können unvermittelt die Liste der Big Five komplettieren, als wir eine ganze Herde schwarzer Nashörner zu Gesicht bekommen. Sogar mit einjährigem Nachwuchs. Gemäss Aussage der vor Ort angetroffenen Ranger das momentan einzige Jungtier im gesamten Park.

Lake Nakuru National Park, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Lake Nakuru National Park, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Den Wagen stellen wir am Seeufer kurz ab. Unter Begleitung eines zufällig anwesenden Rangers dürfen wir ein paar Schritte zu Fuss gehen.

Lake Nakuru National Park, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Lake Nakuru National Park, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Uns bietet sich der Anblick von abertausenden Flamingos und Pelikanen, die die einzige Geräauschkulisse ausmachen in der Stille der Natur. Deren Anzahl im Park könne aber gerne auch mal mehrere Millionen betragen, wurde uns gesagt.

Lake Nakuru National Park, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Lake Nakuru National Park, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Dort laufen offenbar ab und zu Touristen herum, was sich leider am Littering an Plastikflaschen und anderem Dreck zeigt, der herumliegt. Zusammen mit dem dankbaren Ranger haben wir zusammengesammelt, was wir konnten und direkt an unserem Weg lag, bevor wir uns wieder ins Auto gesetzt haben.

Und dann sehen wir etwas, womit wir am wenigsten gerechnet haben: Nochmals einen Löwen! Eigentlich waren es zwei Männchen zusammen, wovon sich aber nur einer gezeigt hat. Und das schön sichtbar vom Strassenrand. Anders als in der Mara gibt es hier wirklich keine Möglichkeiten, abseits der grossen Wege zu fahren, man muss also mehr Glück haben, um einen der wenigen verbliebenen wilden Löwen zu erblicken. Wir hatten dieses Glück und sind froh, dass wir genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren:

Male Lion at Lake Nakuru National Park, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Male Lion at Lake Nakuru National Park, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Weitere Eindrücke aus dem Park:

Lake Nakuru National Park, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Lake Nakuru National Park, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Lake Nakuru National Park, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Lake Nakuru National Park, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Lake Nakuru National Park, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Bereits um die Mittagszeit herum verlassen wir Nakuru, vor uns liegen erneut mehrere hundert Kilometer Fahrt, vorbei an Nairobi bis zu unserem letzten Aufenthaltsort, dem Amboseli-Nationalpark.

Auf einer der wenigen Autobahnteilstücke des Landes passieren wir Kibera, der grösste Slum auf dem afrikanischen Kontinent. In dem Stadtteil von Nairobi vegetieren je nach Schätzung 170'000 bis 1 Million Menschen vor sich hin unter katastophalsten Bedingungen, mit einem Einkommen von unter $1 pro Tag.

DSC01874 by R. Kurmann, on Flickr

Auf dem Land scheinen die Menschen zumindest entlang der Hauptverkehrsstrassen ein halbwegs anständiges Leben zu führen, verglichen mit dem Dasein in einem Slum. Vielerorts sieht man eine gewisse Entwicklung, hauptsächlich von den Chinesen initiiert. So existiert beispielsweise eine neue, moderne Bahnlinie zwischen der Hafenstadt Mombasa und Nairobi, die momentan auch weiter Richtung Westen und Uganda verlängert wird.

Oder man versucht sich zumindest etwas in Sachen umweltfreundliche Technologien und stellt Windräder auf:

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Immer wieder faszinierend, diese zufälligen Strassenszenen zu beobachten, seien sie manchmal auch noch so banal.

DSC01876 by R. Kurmann, on Flickr

DSC01877 by R. Kurmann, on Flickr

Ebenfalls ein Matatu, halt einfach etwas grösser, mit Platz für Gepäcktransport. Die Beladung lässt uns das Blut in den Adern gefrieren.

DSC01878 by R. Kurmann, on Flickr
 
Minni kennt diverse Charaktere beim Namen
Vielen Dank, dass Du uns in Zeiten wie diesen in die Weite Welt führst(y):applause:
 
cahaya findet sich ohne Parkplan zurecht
Es ist echt total faszinierend! Und ich finde es schön, dass du wieder hier bist und postest :hug: . Ich les zwar immer auf FB einiges von dir, aber hier hast du mir definitiv gefehlt! Ich finde es wirklich mutig, was du dich auf deinen Reisen immer traust! Dadurch, dass du ja auch schon lange hier bist, hab ich die Verwandlung von "nur Reisen mit dem Vater oder anderer Begleitung" bis zu dem ultimativen Abenteuer in Afrika mitbekommen. Und das ist mit deinen medizinischen Notwendigkeiten echt bewundernswert! Ich weiß nicht, ob ich mich das so trauen würde, auch wenn ich total gerne mal eine Safari machen würde. Ich bin nur unfassbar phobisch vor Insekten und ich fürchte, da komm ich nicht drumherum ;-) Florida ist da ja schon teilweise eine Herausforderung für mich.
 
Reto hat seit Jahren ne Jahreskarte fürs MSE
Danke für eure Kommentare, auf die ich gerne nach Abschluss des Berichts zurückkomme. Irgendwie habe ich trotz Selbstisolation wenig Downtime, aber das ist ja auch ein gutes Zeichen. Die geltenden Schweizer Regelungen wurden dieser Tage bis 26. April verlängert, danach wird ein sehr vorsichtiges Hochfahren in wohl sehr vielen Einzelschritten angestrebt.

Wir haben derweil den Amboseli Nationalpark erreicht, der sich etwa 4 Autostunden südlich von Nairobi nahe der tansanischen Grenze befindet. Unsere letzte Unterkunft ist gleichzeitig auch die luxuriöseste: Die AA Amboseli Lodge. Als mehrmaliger Animal Kingdom Lodge-Gast scheint der erste Eindruck recht vertraut:

AA Lodge Amboseli National Park, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Einfach mit dem Unterschied, dass es hier ohne Aircondition und ohne Computer am Front Desk geht - fällt einem als Westler natürlich direkt auf. Da werden die Reservationen noch händisch in ein Buch eingetragen und es gibt natürlich auch noch richtige Zimmerschlüssel.

AA Lodge Amboseli National Park, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Die Zimmer sind grosszügig, sauber und befinden sich in einzelnen Hütten, das Areal recht weitläufig. Strom war hier 24 Std. verfügbar, aber wie immer in Afrika fällt es ab und zu mal für paar Minuten aus. WiFi gabs nur an der Bar. Die letzten 2 Nächte hielten wir es hier sehr gut aus.

AA Amboseli Lodge by R. Kurmann, on Flickr

AA Lodge Amboseli National Park, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

AA Lodge Amboseli National Park, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

AA Lodge Amboseli National Park, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

AA Lodge Amboseli National Park, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Nach der langen holprigen Fahrerei schmerzt der Hintern, schon seit Tagen sind wir im Staub und Dreck. Ein Bad im Pool kommt gerade recht. Unterkünfte mit Swimming Pool gibts in dem Land wenige, unsere ist eine davon und mein Körper dankt's. Obwohl, geschwitzt haben wir eigentlich dank der trockenen Luft um 25 Grad bislang kaum.

AA Amboseli Lodge by R. Kurmann, on Flickr

Hinter den nicht funktionierenden Duschen wäre Aussicht auf den Mt. Kilimanjaro gewesen:

AA Amboseli Lodge by R. Kurmann, on Flickr

Mt. Kilimanjaro ist natürlich das Hauptstichwort, wenn man im Amboseli ist. Der weltweit höchste, freistehende Berg erreicht satte 5895 Meter, wobei allerdings zu beachten ist, dass die schier endlose Grasebene des Amboseli sich auch immerhin zwischen 1200-1300 Metern befindet. Der Kili steht vollständig auf tansanischem Boden, Grenzübergänge sind in der Nähe des Amboseli, wir sind aber nicht rüber, da nicht Teil unserer Reise. Für Tansania wäre zudem ein separates Visum fällig gewesen.

Gar nicht so einfach, einen Moment zu erhaschen, der absolut wolkenlos ist, wir haben bereits zwischen 8-9 Uhr die ersten hereinziehenden Wolken beobachten müssen. Aber mit guter Planung und frühem Aufstehen klappte es doch:

Amboseli National Park - Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Der Versuch, die klassische Postkartenansicht mit Elefanten davor einzufangen klappte dann schon weniger gut:

Amboseli National Park - Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Schaut man nicht gerade an den Kilimanjaro, dann schaut man auf etwas, was mich als Schweizer fast am meisten beeindruckt hat: Ein unendlicher Ozean, topfeben, bestehend aus nur Gras und Wasser, ab und zu mal einen Baum. Sonst nichts. Totenstille über weite Strecken.

Amboseli National Park - Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Amboseli National Park - Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Amboseli National Park - Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Gut einen Drittel der Parkfläche wird je nach Saison vom Amboseli-See bedeckt. Bei unserem Besuch war der aber nicht voll gefüllt. Dennoch war die Tierwelt darum und darin sehr reichhaltig.

Amboseli National Park - Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Amboseli National Park - Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Amboseli National Park - Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Amboseli National Park, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Einen noch besseren Überblick verschafften wir uns vom Observation Hill, der Pflichtprogramm bei allen Safaris ist. Der Ansturm hielt sich aber zu der Jahreszeit in Grenzen. Wegen der im Vergleich zur Mara und zum Lake Nakuru geringeren Seehöhe war es hier mit 31 Grad am heissesten. Der 5-minütige Aufstieg über die Treppenstufen war dann anstrengend für mich, aber ich war trotzdem froh, hab ich es auf mir genommen. Gemäss GPS beträgt der Höhenunterschied vom Fuss der Treppe bis oben 24 Meter.

Amboseli National Park, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Oben wurde eifrig aus mitgebrachten Lunchboxen zu Mittag gegessen und ich hatte Zeit, mich zu erholen und die Aussicht zu geniessen:

Amboseli National Park, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Bei Kollege Tim danke ich für die Unterstützung, mir beim Auf- und Abstieg auf dem etwas steinigen Untergrund.

Amboseli National Park, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

So sieht der künstlich angelegte Hügel von weitem aus:

Amboseli National Park by R. Kurmann, on Flickr

Einen vollen und einen ganzen Tag haben wir in dem Park verbracht. Auch wenn die Szenerie Teil der Circle of Life-Szene in The Lion King ist: Löwen haben wir keine gesehen. Es existieren zwar welche in dem Park, doch für den meisten Teil ist die Graslandschaft eben nicht für Löwen gemacht. Es gibt kaum Schatten oder Versteckmöglichkeiten, dementsprechend würde man die Tiere eher näher am Kilimanjaro sehen als dort, wo man sich als Tourist vornehmlich bewegt.

Die letzten Eindrücke waren aber nochmals spektakulär: Mehrmals durften wir Elefantenherden beim Überqueren der Strasse beobachten.

Amboseli National Park - Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Amboseli National Park - Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Der klassische "Elefant vor Kilimanjaro"-Schnappschuss gelang nochmals:

Amboseli National Park - Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Und eine einzige Raubkatze, ein einsamer Gepard, bekamen wir dann doch noch zu Gesicht. War aber weit weg und änderte seine Richtung beim Anblick der immer mehr werdenden Autos, da ja eigentlich jede Sichtung über Funk sofort weiterverbreitet wird.

Amboseli National Park - Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Scheint, als wäre das Rafiki's Baumhaus:

Amboseli National Park - Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Mit vielen Eindrücken machen wir uns direkt aus dem Park auf den Rückweg Richtung Flughafen Nairobi, was nochmals 4 Std. Fahrt bedeutete.

In Emali überqueren wir die von den Chinesen ertüchtigte Bahnlinie Nairobi-Mombasa:

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Wir nehmen die letzten Eindrücke aus Afrika mit. Das ist das, was man sich dort unter einem Spielplatz vorstellt:

IMG_2003 by R. Kurmann, on Flickr

Und das unter Shopping Center:

IMG_2005 by R. Kurmann, on Flickr

IMG_2006 by R. Kurmann, on Flickr

Unfälle sieht man eigentlich gar nicht mal so viele, aber wenn, dann äusserst bizarre, wie eben diesen Truck aus dem Video. Wie der an dieser Stelle umkippen konnte, war uns allen ein Rätsel. An der Stelle gabs weder die für afrikanische Strassen typischen Seitengräben, noch eine Kurve oder sonstwas. Offenbar lag der auch schon paar Tage lang dort, gekümmert hat's jedenfalls niemanden.

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IMG_2012 by R. Kurmann, on Flickr

Rafiki hat sein Business Center in Narok, Mufasa ein Safariunternehmen und Simba betätigt sich jetzt als Namensgeber einer Zementfabrik:

Simba Cement Plant, Kenya by R. Kurmann, on Flickr

Nach einer Woche im Staub waren wir trotz der wunderschönen Eindrücke froh, wieder in Nairobi zu sein. Vor der Einfahrt in den Flughafen wurde am Strassenrand des Mombasa-Nairobi Highways angehalten, da eben Vans innerhalb des Flughafens nicht gerne gesehen sind. Ein anderer Fahrer mit Privatauto wurde herbeizitiert und wir haben alles umgeladen. Die erste Sicherheitskontrolle bestand schon auf der Zufahrtsstrasse, die aber definitiv nur Pseudo-Charakter hatte: Vor der Zahlstelle warf uns der Fahrer raus, währenddessen er mit unserem Gepäck schon mal auf die andere Seite fuhr. Wir durften derweil durch eine schäbige Hütte gehen, darin ein Metalldetektor, ein Röntgengerät und ein Beamter, der gelangweilt in einen flimmernden Röhrenmonitor geschaut hat. Gabs Alarm, hat das niemand weiter interessiert, man ging einfach weiter und stieg wieder ins Auto. Die zweite Sicherheitskontrolle dann beim Betreten des Terminals. Man tut also gut daran, die richtige Tür zu erwischen, denn innen kann man nicht mehr wechseln. Swiss hat Terminal 1C, das wird dann aber immerhin an den Eingängen nochmals per Boarding Pass verifiziert. Dort schien man es immerhin genauer zu nehmen, also das übliche Prozedere mit Laptop raus, Schuhe aus, etc.

Man findet sich wieder in einem stickigen Gebäude ohne Fenster, Aircondition war kaputt und deswegen war ich froh, dass ich schon um 15:30 Uhr für meine Swiss mit Abflug um 20:40 einchecken konnte. Ja, das ist etwas gar früh, aber in Kenia weiss man eben nie, wie gut man auf langen Strecken vorankommt auf der Strasse. Einchecken und Passkontrolle klappte problemlos, dann ein Stock höher in einen noch schummrigen Shithole Part des Flughafens. Ähnlich aufgebaut wie Berlin-Tegel, mit Sicherheitskontrollen an jedem Gate, die aber erst kurz vor Abflug aufmachen.

Tim ging's schon seit dem Morgen nicht so gut, er hatte sich eine Magenverstimmung eingefangen. Da sein Flug etwas früher als meiner war und er auch früher als ich einchecken konnte, war er schon airside, als ich ihn im Abflugbereich wieder gefunden hatte, schlafend auf einem unbequemen Metallstuhl, über ein Tischchen gelehnt. Es war weiterhin stickig und auf dem Boden kroch irgendwelches Insektenzeugs herum während nebenan im Café Lebensmittel serviert wurden. Ich habe zwar keinen Vielfliegerstatus, dennoch hatte ich noch nie so Lust nach einer Lounge wie jetzt. Es war schwitzig heiss, mein Hintern schmerzte von den langen Autofahrten und Tim gings auch schon besser. Er hatte zudem noch eine 30-stündige Rückreise via Addis Abeba und Frankfurt nach Seattle vor sich. Schlussendlich hab ichs dann nicht mehr länger ausgehalten und habe zuerst die Simba Lounge von Kenya Airways aufgesucht und gefragt, wie viel ein Eintritt ohne Status kosten würde. $30 pro Person und ich merkte schon im Eingangsbereich, dass auch dort die Klimaanlage ausgefallen war. Auf meine Nachfrage hin, ob es hier auch Duschen hätte, hat man mich aber immerhin zur Konkurrenz ein paar Gates weiter verwiesen - die Turkish Airlines / Star Alliance Lounge. Hier war's besser und ich hab mich entschlossen, die $45 zu zahlen. Tim entschloss sich nach anfänglicher Skepsis doch auch noch zu einem Loungebesuch, den ich ihm spontan gesponsert habe, damit er sich wenigstens etwas entspannen kann.

Mit der TK Lounge in NBO kann man zufrieden sein. Die haben behelfsmässige Klimaanlagen installiert, zwei an der Zahl, die entlang den Fenstern blasen und so es zumindest dort sehr erträglich machen. Ja, die Situation im Terminal sei ihnen bekannt, deshalb hätten sie in der Lounge das ganze selber in die Hand genommen. Es ist und bleibt halt ein Drittweltflughafen, aber wie gesagt, hier drin liess es sich aushalten.

Nairobi Jomo Kenyatta Intl. Airport by R. Kurmann, on Flickr

Die langersehnte Dusche und etwas Wasser in die Magensonde konnte genommen werden:

Nairobi Jomo Kenyatta Intl. Airport by R. Kurmann, on Flickr

Dann trennten sich unsere Wege. Tim flog die erste Etappe mit einem Ethiopian Dreamliner nach ADD und für mich kam wieder ein Swiss A330-300 aus Zürich herein. Eingestiegen wurde in ein halbvolles Flugzeug, denn der Kurs geht ja jeweils weiter zuerst nach Dar es Salaam, allerdings ohne lokale Verkehrsrechte zwischen NBO und DAR. Heisst also, dass alle, die in Nairobi zusteigen, in Dar es Salaam sitzenbleiben und bis Zürich reisen müssen.

Zuerst ging's also mal gut 70 Minuten in die falsche Richtung, in die Hauptstadt von Tansania:

SWISS Airbus A330-300 HB-JHB LX 296 NBO-DAR-ZRH by R. Kurmann, on Flickr

Swiss ist dort neben KLM die einzige europäische Airline, die regelmässig kommt. Der Flughafen ist kleiner, als in Nairobi, aber viel moderner. Gerade letztes Jahr wurde ein neues internationales Terminal aus dem Boden gestampft. Natürlich von den Chinesen, die im Gegenzug jetzt für die nächsten 100 Jahre exklusiven Zugang zu Tansania's gesamten Bodenschätzen haben...

SWISS Airbus A330-300 HB-JHB LX 296 NBO-DAR-ZRH by R. Kurmann, on Flickr

Zum ersten Mal habe ich einen Transitstop an Bord erlebt, was ich als interessierter Laie natürlich genau verfolgt habe. Die aus Zürich via Nairobi kommende Crew steigt hier aus und geht eine Nacht ins Hotel, bevor sie den Flug vom nächsten Abend nach Zürich übernimmt. Eine neue Crew kommt an Bord und das Reinigungspersonal arbeitet sich von hinten nach vorne durch den Flieger, so gut es geht, denn die Passagiere nach Zürich müssen sitzen bleiben. Dies mit geöffneten Sitzgurten, da das Flugzeug betankt wird und im Falle eines Unfalles schneller evakuiert werden kann. Dann performt die Crew noch einen Sicherheitscheck, bei dem jeder Passagier mitmachen muss, indem sie das in den Gepäckfächern verstaute Material lückenlos den Passagieren zuordnen müssen, man wird also gefragt, ob dieser oder jener Koffer einem selber gehört. Schiesslich wird dann noch ein Insektenschutzmittel in die Gepäckfächer gesprayt.

Dann kann's endlich losgehen und nach 9 Std. und 13 Minuten hat mich ein regnerisches Zürich wieder.

SWISS Airbus A330-300 HB-JHB LX 296 NBO-DAR-ZRH by R. Kurmann, on Flickr


Dies nach einer unbequemen Nacht, einer meiner unbequemsten Flüge. Musste seitwärts sitzen. Und zu Hause offenbarte sich, warum. Ich habe mir von den langen Autofahrten auf Sitzen, die allesamt bis auf die Metallverstrebung durchgesessen waren, eine Steissbeinfistel geholt, also einen Abszess am Gesäss. Noch am Tag der Rückkehr Hausarzt konsultiert - der hat mich dann gleich ins Luzerner Kantonsspital überwiesen. Dort wurde es angeschaut und die entsprechende Diagnose Pilonidalsinus gestellt. "Herr Kurmann, wissen Sie, woher diese Krankheit kommt? Von den amerikanischen Soldaten im Vietnam, die jeden Tag auf ihren Jeeps im Gelände gefahren sind!" hat mich einer der diensthabenden Ärzte aufgeklärt - und tatsächlich, das Ganze ist auch als Jeep driver's disease bekannt. Ich habe mich in unserem Safarifahrzeug natürlich dann schon mit der Zeit irgendwie mit gefalteten Badetüchern und was wir sonst noch so hatten, beholfen, um den Sitz zu polstern - doch zu spät! Und doch hatte ich riesen Glück, dass die ganze Sauerei aus Eiter und Blut nicht schon in Kenya begann, denn noch am Vorabend hatte ich ja in der Lounge am Flughafen Nairobi geduscht und dort nichts im ablaufenden Wasser feststellen können.

Ich wurde im Krankenhaus behalten, eine Operation wurde noch für denselben Tag in Aussicht gestellt, schlussendlich konnte diese dann aber doch erst am nächsten Morgen früh um 6 Uhr stattfinden. Zwischenzeitlich hat man mich immerhin auf ein Zimmer verlegt, wo ich auf den OP-Termin warten bzw. schlafen konnte. Unter 20-minütiger Vollnarkose wurde der Knubbel herausgeschnitten. Die Operation verlief viel schneller und besser als erwartet, man konnte alles restlos entfernen, da es nicht sehr tief war, man kam auch um das Legen einer Drainage herum. Nur paar cm weiter und ich hätte den Darmausgang verloren!



Zugunsten einer kleineren Rückfallgefahr ist es üblich, dass man nach einer solchen Behandlung die Wunde offen zuheilen lässt, es wird also nicht genäht! Nach 2 Nächten wurde ich nach Hause entlassen. Mir wurde eine Heilungsdauer von 4-6 Wochen in Aussicht gestellt. Übermorgen vor 2 Monaten war diese Operation, es dauert also einiges länger bei mir und wird langsam mühsam, da noch jeden 2. Tag (anfänglich täglich) eine Person der Spitalexternen Pflege vorbei in meine Wohnung kommt und Wundpflege macht. Schmerzen habe ich zwar schon lange keine mehr, aber so langsam wäre es halt schön, ich könnte mich zu Hause komplett isolieren, während Corona draussen wütet und nicht immer jemand von aussen in meine Wohnung kommen muss. Zu Beginn heilte es sehr schnell und weit, nun knorzen wir aber an den letzten 0,5 cm herum, die noch sichtbar sind. Das hat sich nun etwas verlangsamt, aber der Heilungsprozess findet immer noch statt und wir hoffen, dass das noch diesen Monat abgeschlossen werden kann.

Ich hatte also riesig Glück, bin knapp einer Katastrophe in Kenya entkommen und war auch rechtzeitig wieder aus dem Krankenhaus, bevor Corona unsere Welt verändert hat.

Dennoch werde ich diese Safari als sehr positiv in Erinnerung behalten, denn vor Ort klappte alles in den Rahmen, wie wir es erwartet hatten. Wir hatten Glück mit einem guten Fahrer und angemessenem Van, wir haben die Big Five schon vor Hälfte des Urlaubs alle gesehen und wir konnten uns den grössten Traum, einmal wilde Löwen zu sehen, ebenfalls mehr als nur erfüllen!

Vielen Dank fürs virtuelle Mitreisen und Mitlesen!

Als Abschluss noch ein Video mit all den Tiersichtungen, natürlich unterlegt zu einem Lion King-Soundtrack:

 
Baltic findet sich ohne Parkplan zurecht
Vielen Dank für diesen aufregenden Bericht aus dem Reich der wilden Tiere.
 
Reto hat seit Jahren ne Jahreskarte fürs MSE
Sehr interessant alles, danke! Wäre ein Alptraum für mich :ROFLMAO:, gut stattdessen deine Fotos zu sehen!
Ja, allerdings. Ich würde mich das auch nicht trauen, da bleibe ich lieber in unseren Gefilden. Asien macht mich ja schon panisch, da ist an Afrika gar nicht zu denken.

Danke Reto für Deinen Bericht. Die Bilder snd echt schön!
Danke. Könnt ihr mir eure Angst etwas genauer definieren? Das würde mich interessieren, vielleicht kann ich es dann entsprechend kommentieren. Angst vor den generellen Zuständen im Land? Angst vor den Tieren? Vor Terror?

Ich finde es wirklich mutig, was du dich auf deinen Reisen immer traust! Dadurch, dass du ja auch schon lange hier bist, hab ich die Verwandlung von "nur Reisen mit dem Vater oder anderer Begleitung" bis zu dem ultimativen Abenteuer in Afrika mitbekommen. Und das ist mit deinen medizinischen Notwendigkeiten echt bewundernswert!
Danke. Die körperliche Verbesserung liegt natürlich ausserhalb meines Einflusses und freut mich deswegen umso mehr. Da niemand sagen kann, wie sich das alles entwickelt, versuche ich die gute Zeit eben möglichst gut zu nutzen.

Diese Reise fand, wie im Bericht gesehen, nicht ganz alleine statt, mit Ausnahme des Hin- und Rückfluges war ja die ganze Zeit einer meiner besten Furry-Freunde neben mir, der mich auch in gewissen, wenigen Situationen leicht unterstützt hat, etwa mit Gepäck schleppen oder die für mich etwas unwegsamen Treppenstufen zum Amboseli Hill überwinden.

Die Wahl des Nonstopflugs ZRH-NBO anstatt der mir von Swiss ebenfalls angebotenen Verbindung mit der Lufthansa via Frankfurt, wo ich dann auf Tim's Flug gelandet wäre, habe ich ebenfalls in Betracht meiner speziellen Bedürfnisse getroffen - das Risiko eines Gepäckverlustes konnte so massiv eingedämmt werden.

Ausserdem fand nicht nur wegen der Verschreibung der Malaria-Prophylaxe ein vorgängiger Besuch bei meinem Hausarzt statt, wo wir gewisse Dinge besprochen und das Risiko abgewägt haben. Ich habe auch meine Ernährungspumpe revidieren lassen und dann zu Hause getestet, wie lange das Ding unter Volllast im Akkubetrieb läuft (4-5 Nächte).

In der Zeltunterkunft nahe der Masai Mara war uns schon vor Anreise bekannt, dass es dort nur stundenweise und über Nacht, während ich mich eigentlich ernähre, gar keinen Strom geben würde. Das klappte trotzdem gut, in der dritten Nacht hab ich sogar freiwillig auf den Strom für die Ernährungspumpe verzichtet, da sie noch Saft hatte und Kollege Tim so seine Elektronikausrüstung an der einzigen Steckdose im Zimmer laden konnte. Im äussersten Notfall hätte ich mich auch "von Hand" per Spritze oder Schwerkraft ernähren können - mit letzterer Methode habe ich so im Auto Wasser zugeführt, als die Temperaturen im Amboseli die 30-Grad-Marke überschritten haben. Man muss diese Risiken halt abwägen und schauen, dass man immer einen Plan B und in Afrika auch noch einen Plan C in der Hand hat, falls halt etwas mal wieder nicht funktioniert.

Es wäre definitiv nichts für mich, so oft nach Afrika zu fliegen, wie ich es in die USA tue, aber so alle paar Jahre mal unter kontrollierten Bedingungen ist das für mich vertretbar.


Ich weiß nicht, ob ich mich das so trauen würde, auch wenn ich total gerne mal eine Safari machen würde. Ich bin nur unfassbar phobisch vor Insekten und ich fürchte, da komm ich nicht drumherum ;-) Florida ist da ja schon teilweise eine Herausforderung für mich.
Erlebnisse mit Insekten hatten wir 2x: Das erste Mal wie gesagt in der nicht sehr sauberen und einfachen Unterkunft am Rand der Masai Mara. Dort haben wir schon bei Zimmerbezug mehrere Mücken im Bad festgestellt. Ob das spezifisch die für die Übertragung von Malaria berüchtigten Mücken waren, konnten wir nicht näher verifizieren. Wir gingen auf Nummer sicher und haben nicht nur uns selbst und die Mückennetze über den Betten, sondern auch das Bad mit Anti-Brumm forte eingesprüht. Bei regelmässiger Anwendung dessen war dann tatsächlich Ruhe und wir wurden nicht ein einziges Mal gestochen.

Das zweite Erlebnis diesbezüglich war ein Nest von entweder Wespen oder Bienen unter dem Strohdach unseres Zimmers in der AA Amboseli Lodge. Das war aber definitiv aussen und nicht weiter ein Problem, solange die Zimmertür zu war. Man hat mehr gehört, als gesehen und gestochen wurden wir auch da nicht. Ansonsten gab's keine keine tierbezogene Situation, in der wir Angst hatten oder es sonst irgendwie kritisch hätte werden können. Sehr guter Mücken- und Malariaschutz ist einfach zentral, wenn ihr in diese Ecke der Welt reisen möchtet.
 
gila steigt in manche Attraktion mit ein
Was mich betrifft:

Ich könnte niemals in Umgebungen schlafen, wo ich (vor allem 8-beinige) Insekten im Zimmer haben könnte. Schon der Gedanke an die Möglichkeit reicht für Panik, die echte Situation würde eine ausgewachsene Panikattacke auslösen.
Giftige Insekten möchte ich auch nicht treffen, Kollegen hatten auf Safari ständig Skorpione in ihren Zimmern *schauder*

Abgesehen davon empfinde ich die Badezimmer auf deinen Bildern nicht ansprechend, unhygienisch. Vielleicht ist ja alles sauber, aber da zählt auch die Optik für mich.

Und was mir am wenigsten dabei gefällt, ist der „Auflauf“ an Fahrzeugen bei den einzelnen Tieren. Das hat nix mit Safariromantik zu tun ;-)

Ich bin allerdings da auch kein Maßstab, denn ich würde alleine aus dem 1. Grund nie eine Safari buchen, auch nicht in so einer wunderschönen Luxuslodge :) Deshalb sehe ich gerne Bilder davon :)
 
Yume Disney Historikerin
Da schließe ich mich direkt an, um meine Skrupel zu begründen:

Bei mir ist es tatsächlich die - wohl irrationale - Angst davor, in einem Land zu sein, bei dem das rustikaler und nicht so technologisiert zugeht wie bei uns. Was ist, wenn man mal medizinische Hilfe braucht, was ist wenn man irgendwo auf weitem Feld strandet und keiner da ist geschweige denn Funk für das Mobiltelefon.

Ich weiß nicht, ich habe einfach das blöde Gefühl, dass ich mit der ganz anderen Kultur und dem ganz anderen Umgang miteinander nicht so wirklich klar kommen könnte. Ich mag es auch nicht, andauernd von Menschen belagert zu sein, die einem was aufschwatzen wollen - das stört mich ja schon hierzulande. Nur hier weiß ich halt, wo ich mich vor solchen Leuten 'verstecken' kann, weil ich die Umgebung kenne.

Das ist sowas ganz blödes, subjektives, was ich gar nicht richtig in Worte fassen kann.

Zumal ich auch mit dem heißen Klima auf Kriegsfuß stehe, aber das gilt genauso für hier...

So lange mich keiner zwingt, bleibe ich lieber hier. Mich zieht es auch überhaupt nicht nach Afrika.
 
gila steigt in manche Attraktion mit ein
Da schreibst du was, was bei mir auch so ein Unwohlsein auslöst. Gar nicht daran gedacht.
Wir kennen bisher nur Nordafrika (+Kapverden), aber die Händlermentalität und Belagerung kann ich absolut nicht ausstehen.
Die Hitze ist auch mein Problem, aber das muss ich in anderen Ländern auch in den Griff bekommen.

Und wie du schreibst: Mich zieht nichts nach Afrika, ich verstehe die Kultur nicht - ich sehe aber sehr gerne Bilder von den Tieren und Landschaften dort und in WDW finde ich die AKL wunderschön.
 
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