Die Geschichte mit der Löwin mit Blasenentzündung ging noch ein bisschen weiter. Nachdem wir sie ins Nachbargehege mit Sichtkontakt zu den anderen Löwchen verbracht haben, wurde sie dort vom Personal anscheinend "vergessen". Die drehte schier durch und begann zu stereotypisieren, weil sie nicht mit ihren Artgenossen spielen konnte, was ich und meine Kollegen nicht ertragen konnten. Wir haben Personal herbeizitiert und in sehr deutlichen Worten klargemacht, dass das Tier augenblicklich aus der Situation herauszunehmen ist. Haben darauf bestanden, es entweder gleich selbst zu tun, oder dem Staff dabei zuzuschauen. Ersteres wurde uns gestattet und so hat mein Kollege Emmanuel die gut 20 kg schwere Löwin in seinen Armen getragen und sie wieder zu ihren Artgenossen gebracht. Sie beruhigte sich dann auch augenblicklich.
Von 15-17 Uhr hatte ich nach einer langen Mittagspause Schicht bei den Lion Cubs, wo ich wieder vielen Touristen aus aller Welt die Regeln erklärt und geholfen habe, Fotos zu machen. Etwas zu viele, nach meinem Empfinden. Eine Limitierung der Lion Cub Interactions wäre vor allem an Wochenenden angebracht. Löwen streicheln ist nicht grundfalsch, es sind soziale Tiere, aber es müsste in gewissen Grenzen ablaufen. Einige Tiere wirkten zeitweise gestresst, während andere kaum Probleme hatten. Der Staff nimmts mit max. 8 Personen aufs Mal im Gehege leider auch nicht so genau. Das würde ich definitiv strikter handhaben. Es wird aber sowieso bald Gesetz in Südafrika, dass der Umgang von Touristen mit Löwenbabies verboten wird. Der Lion Park wird das deshalb auslaufen lassen. Knuddeln mit Löwen geht zukünftig nur noch als Staff oder Volunteer.
Dennoch überwiegen die positiven Momente, wobei, ja, auch das Abfall entsorgen gehört dazu!
Aber eben, positive Momente. Gibt's trotz allem viele bei den Löwchen. Sie sind mal verspielt, mal verschlafen.
Zum Abschluss bin ich dann noch kurz bei meinem Kollegen rein, der beim Gepard eine ruhige Schicht hatte. Es ist surreal, dass man einer ausgewachsenen Raubkatze so dermassen nahe sein kann und diese auch noch ganz zufrieden schnurrt. Sediert ist das Tier übrigens nicht, denn sobald es mal lauter ums Gehege wird, die Giraffe vorbeiläuft, oder wie gestern ein LKW zum Schacht auspumpen vorfuhr, ist er ganz Ohr und beobachtet ganz genau, was passiert.
Morgen geht es für 2 Nächte an den zukünftigen Standort des Lion Park, dort schauen wir zu den grossen erwachsenen Löwen, die man natürlich nicht mehr knuddeln kann. Aber Fleisch brauchen die, jede Menge. Wird einer meiner Aufgaben sein. Wer den Film "Kingdom of the White Lion" gesehen hat - der wurde genau auf dem Areal gedreht. Der Hauptdarsteller lebt heute hier bei uns im Park, Letsatsi, ein 300 kg Löwenmännchen, 14 Jahre alt.